Galante Spielereien
Salonmagier Rautenberg begeisterte seine Gäste im Fifty-Fifty-Theater
"Der Zauberkunst das Wunderbare zu nehmen, wäre ebenso zerstörerisch, wie die Musik des Tons zu berauben." (Orson Welles) Und so präsentierte der Berliner Salonmagier Stefan Alexander Rautenberg im Fifty-Fifty-Theater "Die Kammermusik der Zauberkunst". Um selbst Shakespeare zu übertreffen, inszenierte er hierbei ein Kammerspiel nicht nur in sieben, sondern in acht Akten, das alle erdenklichen Genres vom Komischen über das Belanglose bis zum Tragischen enthielt und größtenteils aus (gelungenen) Zauberkunststücken bestand, die Rautenberg im gehobenen Konversationsstil des 19. Jahrhunderts kommentierte.
Was den Kammerton betraf, kleidete Rautenberg seine magischen Kabinettstücke in ein dichtgewobenes Netz literarischer Anspielungen und Zitate. Man wartete direkt, ob nicht gleich Hercule Poirot aus irgendeinem Eck hervorspringen würde, um den positiven Täuscher mit gewählten Worten zu entlarven.
Der jedoch schlüpfte behende und nicht frei von Eitelkeit in diverse Rollen (von Danny Kaye bis D'Artagnan) und begrüßte die geschmeichelten Salongäste hochstaplerisch als Marquisen und Mylords.
Da Erlangen bis dato kein gehobenes Spielcasino mit gnadenlos distinguierten Croupiers besitzt und auch das legendäre Wintergarten-Varieté nach wie vor in der Hauptstadt steht, genossen die Gäste im ausverkauften Kleinkunsttheater umso mehr das galante Spiel zwischen Illusion und Realität: Indisches Seil, Banknoten, Spielkarten, Bücher, Becher, Bälle und Würfel....
Von berühmten Taschenspielern und Zauberkünstlern wie dem großen Wiener Salonmagier Johann Nepomuk Hofzinser (1806 - 1875) stammen die bewährten Experimente in Rautenbergs Repertoire.
Das derart bezauberte Publikum ließ sich gerne zu Mitspiel und Interaktion animieren, noblesse oblige versteht sich: Chapeau also vor einer amüsant informativen Zaubersoirée.
Natalie Bost
Erlanger Nachrichten
